Mittwoch, 18. September 2013

Filmtipps zum Thema "Marokko"

Filmkritik zu Exit Marrakech

Quelle: kino.de


Oscar-Preisträgerin Caroline Link präsentiert vor der imposanten Kulisse Marokkos eine berührende Vater-Sohn-Geschichte.

Caroline Link kann Kino, ganz großes Kino. Nach ihrem Erfolg von "Nirgendwo in Afrika" kehrt sie zurück in den Norden des schwarzen Kontinents, nach Marokko. 20 Jahre nach ihrer ersten Reise 1991 erkundete sie erneut das Land zwischen Tradition und Moderne und entwickelt dort die Idee, ihren neuen Film im Spektrum vom mondänen Marrakech bis hin in die armen Bergdörfer anzusiedeln. Wie in ihren vorherigen Filmen geht es um Familie, wenn der 17jährige Ben, der bei seinem von der Mutter geschiedenen Vater Heinrich seine Sommerferien verbringen muss, einem fast Fremden gegenüber steht. Der Regisseur, der in Marrakech "Emilia Galotti" inszeniert, begrüßt ihn mit "Bist du aber groß geworden" und zeigt sonst wenig Interesse. Es herrscht Unverständnis zwischen den beiden. Während der Daddy am Hotelpool Bücher über das fremde Land da draußen wälzt und klug doziert, erkundet der Filius dieses auf eigene Faust und verliebt sich in eine junge Prostituierte, folgt ihr zum Heimatdorf im Atlasgebirge. Der Trip endet für ihn mit einer Enttäuschung. Nach langer Irrfahrt findet ihn der besorgte Vater, die Rückreise in die "Zivilisation" gestaltet sich schwierig.

Es ist einfach Herz ergreifend, wie das Vater-Sohn-Gespann sich erst zofft und dann gemeinsam auf einem Hoteldach im Nirgendwo einen Joint raucht. Erstmals reden die beiden miteinander, kriegen sich in die Wolle und prügeln sich - ein Zeichen dafür, dass sie sich lieben. Caroline Link verzichtet auf exotische Klischees, lässt eine fremde Kultur spüren, schildert landschaftliche Schönheit und soziale Hässlichkeit. Marokko ist der dritte Hauptdarsteller. "Exit Marrakech" handelt von Gefühlen, die man sich nicht eingesteht, von tief sitzender Angst, zurück gestoßen, nicht akzeptiert zu werden. Es geht um einen Heranwachsenden, der wissen will, ob er geliebt wird, und um einen Erwachsenen, der vor der Verantwortung zurückschreckt. Beim Ringen um gegenseitige Anerkennung schenken sich Ulrich Tukur und der bei den Dreharbeiten erst 17jährige Samuel Schneider nichts. Der Junge, der im Verlauf der Reise reift und sich nicht nur von der hässlichen Zahnspange befreit, sondern auch von der Empfindung der Unterlegenheit, und der Ältere, dessen Souveränität langsam bröckelt, begegnen sich am Ende auf Augenhöhe. mk.




Ansprechpartner:
Angelika Kallenbach
6370 Kitzbühel
+43/660/744 46 43












                                           


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